Pressemitteilung
Zur Eröffnung vom Platz der Menschenrechte in
München am 16.6.2005
Sehr
geehrte Damen,
sehr
geehrte Herren!
Nach
den Reden vom Ob Ude und Jörg Sommer, Vorstand von Amnestie International
Deutschland, war leider keine Möglichkeit unsere Sichtweise zu den
Menschenrechten
im Zusammenhang mit der Zwangsräumung des Gnadenackers darzulegen.
Bei
einem kurzen Gespräch zwischen OB Ude und Peter Kranawetvogl am Rande der
Eröffnung vom Platz der Menschenrechte und der Unterzeichnung von „Europäische
Charta der Menschenrechte in der Stadt“ war ebenfalls nicht genügend Zeit dazu.
Deshalb
hat der 3. Vorstand vom Verein „Die Ameise e.V.“, Xaver Endter
den nachstehenden offenen Brief an Herrn OB Ude verfasst, in der Hoffnung die
Lösung der durch die Zwangsräumung entstandenen Probleme durch Gespräche in den
nächsten Wochen angehen zu können.
Wir bitten Sie höflich um Unterstützung unseres
Anliegens. Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Die
Ameise e. V.
Gez.
Peter Kranawetvogl Xaver
Endter
1.
Vorstand 3. Vorstand
„Die Ameise e. V.“, Joh. Karg Str. 57, 855540 Salmdorf, Tel. 0173 4655050;
Offener Brief
An
Herrn Oberbürgermeister Christian Ude, München, Rathaus
Von
Xaver Endter, Leibengerstr.
36, 80313 München, 3. Vorstand vom Verein „Die Ameise e.V.“
München, den 21.6.2005
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
ich
bin Xaver Endter, 1946 in München geboren, und w a r
bisher immer stolz auf meine Heimatstadt. Fast 2 Jahre lebte und arbeitete ich zuletzt auf dem
Gnadenacker.
Aber
zum Platz der Menschenrechte. Sind die „Menschenrechte“ nach der Allgemeinen
Erklärung von 1948 gemeint?
Was
vor wenigen Monaten uns, den Menschen vom Gnadenacker, angetan wurde, lässt mich stark daran zweifeln, dass
bei der Namensgebung die Menschenrechte nach der Allgemeinen Erklärung von 1948
gemeint sind.
Wie
können Vertreter der Stadt München durch eine derart sinnlose Zwangsräumung
Menschen obdachlos machen und dann feierlich einen „Platz der Menschenrechte“
eröffnen und die „Europäische Charta zum Schutz der Menschenrechte in der
Stadt“ unterzeichnen?
Nun
fürchte ich, dass es gerade beim Gnadenacker den Initiatoren der Zwangsräumung
einfach nicht so ganz bewusst war, dass dabei Menschenrechte wie
Artikel
12, Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine
Familie, seine Wohnung ….ausgesetzt werden
Artikel 13, Jeder hat das Recht seinen Aufenthaltsort
frei zu wählen
Artikel
25, Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard der s e i
n … Wohl gewährleistet. Und
wir haben uns auf dem Gnadenacker wohl gefühlt!
Artikel
28, Jeder hat Anspruch auf eine soziale
und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte
und Freiheiten v o l l verwirklicht
werden können.
verletzt
werden.
Ermöglicht
wurden diese Verletzungen der Menschenrechte durch den Missbrauch von Gesetzen.
So
wurde mit Hilfe der Bauordnung nicht eine akzeptable Wohnsituation auf dem
Gnadenacker geschaffen bzw. zugelassen, sondern schon bei dem
Planungsverfahren, bei der Änderung von
„landwirtschaftlicher Nutzfläche“ zu einer „öffentlichen Grünfläche“ für dieses
Privatgrundstück, wurde nicht beachtet, dass sich auf dem Gnadenacker Menschen
bereits ein bescheidenes Zuhause im Rahmen ihrer geringsten Möglichkeiten
geschaffen hatten.
Dazu
kam plötzlich im Januar 2005 der Umschwung, dass eine Unterbringung in
Notquartieren quasi angeordnet wird. Dass nicht die freiwillige Entscheidung
des Einzelnen Menschen zählt, sondern nur noch die Ansicht der Verwaltung.
Dieser
Missbrauch ist zugegebener Maßen global gesehen, eine Winzigkeit.
Aber der Missbrauch von Gesetzen auch gerade in
der deutschen Vergangenheit, der sogar zu Kriegen führte, zeigt dass ein
gefährlicher Weg begonnen wurde oder noch schlimmer, normal ist.
Welchen
Wert haben denn die Menschenrechte, wenn eine Bauordnung als höherwertig
angesehen wird?
Mit
der feierlichen Eröffnung ist es nicht
getan. Menschenrechte müssen gelebt werden! Nicht nur bei den Anderen. Nicht
nur VOR der Haustüre. Sondern vor allem von Jedem
Selbst. Und das wiederum geht nur mit Liebe zu den Menschen und mit Toleranz.
Ohne Liebe zum Menschen ist letztlich jedes gut gemeinte Gesetz, jedes Recht
sinnlos.
Sehr
geehrter Herr Oberbürgermeister!
Wie
ich neulich gelesen habe, haben Sie im Jahr
2003 selbst verlangt, dass für den Gnadenacker ein Ersatzgrundstück gesucht
werden soll. Angeblich ist dies erfolglos geschehen.
Dass
es in München keine 3000 m² geben soll, auf denen das Modell Gnadenacker, das
die Stadt München übrigens keinen Cent kostete, weitergeführt werden kann, das gibt es
nicht. Das ist lachhaft. Da wären dann Stümper an der Arbeit gewesen.
Da
fehlte es an Liebe zu den Menschen, fehlte es an Toleranz! Da waren Ausgrenzung
und gleichmachende Integration am Werk! Da wurden Paragraphen zum Nachteil der
Menschen benutzt!
Herr
Oberbürgermeister, bitte, lassen Sie sich von dem Mut der jungen Leute, die uns
helfen und die bei der Eröffnung vom Platz der Menschenrechte auch dabei waren,
anstecken und verlangen Sie von den Referaten der Stadt, dass diese ihre
Aufgaben mit noch mehr Liebe zu den Menschen erledigen. Die
Aufgabe Gnadenacker ist noch nicht abgeschlossen. Vor Beginn des Winters
waren 28 Menschen auf dem Gnadenacker. In das verordnete Notquartier in der Leibengerstr. sind nur 7 gegangen. Wo sind die Anderen
Obdachlosen geblieben?
Geben
Sie mir, uns allen, die Hoffnung, dass Menschenrechte nicht bloß auf dem Papier
stehen, sondern in München in Zukunft ganz besonders geachtet werden.
Ich
wäre gerne wieder stolz ein Münchner zu sein.
Mit
freundlichen Grüßen
Gez.
Xaver Endter